Die Heian-Zeit – Eine der elegantesten und kultiviertesten Epochen in Japans Geschichte

  • Von MaedaYumiko
  • 4 min Lesezeit
Die Heian-Zeit – Eine der elegantesten und kultiviertesten Epochen in Japans Geschichte

In einem früheren Blogbeitrag habe ich kurz die Kleidung der Hina-Puppen zum japanischen Hinamatsuri-Fest erwähnt: das Jūnihitoe, das die weibliche Puppe trägt, und das Sokutai, das Gewand der männlichen Puppe. Beide Kleidungsstücke waren Hofgewänder, die von Adligen in der Heian-Zeit getragen wurden.

Die Heian-Zeit (794–1185) empfinde ich persönlich als eine der elegantesten und kultiviertesten Epochen in der japanischen Geschichte. Am kaiserlichen Hof blühten Literatur und Kunst auf, und auch eine ganz eigene Modekultur entwickelte sich. Es muss eine sehr prachtvolle und ästhetisch geprägte Zeit gewesen sein.

Das Jūnihitoe wird oft als „Gewand aus zwölf Schichten“ verstanden. Tatsächlich bedeutet der Name jedoch nicht unbedingt, dass genau zwölf Kimonos getragen wurden. Die Zahl „zwölf“ steht eher symbolisch für viele übereinander getragene Schichten. Es handelt sich also um ein Hofgewand, das aus mehreren Lagen von Kleidern besteht.

Ein besonders faszinierendes Element dieser Kleidung ist das sogenannte „Kasane no Irome“, also die Kunst der Farbschichtung. Durch das Übereinanderlegen verschiedener Stofffarben entstehen wunderschöne Farbkombinationen.

Zum Beispiel:

  • Rosa, das an Kirschblüten erinnert

  • Grün, das junge Frühlingsblätter symbolisiert

  • Rot und Orange, inspiriert von den Herbstblättern

Diese Farbkombinationen wurden so gewählt, dass sie an den Ärmeln oder am Saum des Gewandes besonders schön sichtbar wurden. Wenn die verschiedenen Farbschichten leicht hervorblitzen, entsteht ein beeindruckendes und sehr elegantes Bild.

Die große Vielfalt dieser Kombinationen zeigt auch, wie viele unterschiedliche Farbtöne es in der japanischen Kultur gibt. Besonders faszinierend finde ich dabei die Namen dieser Farben.

Zum Beispiel:

  • Usugunjō (helles Ultramarinblau)

  • Momoiro (Pfirsichrosa)

  • Ochiguriiro (die Farbe reifer Kastanien)

  • Fujiiro (Wisterien-Violett)

  • Tsukishiro (Mondweiß)

Viele dieser Farbnamen stammen aus der Natur. Schon beim Aussprechen haben sie einen sanften, fast poetischen Klang. Für die Menschen der damaligen Zeit war die Natur ein sehr vertrauter Teil ihres Lebens, und viele Farben wurden direkt aus Naturbeobachtungen abgeleitet. Wenn ich mir diese Welt vorstelle, kann ich mir gut vorstellen, wie schön und harmonisch das ästhetische Empfinden der Heian-Zeit gewesen sein muss.

Das formelle Gewand der männlichen Adligen war das Sokutai. Im Vergleich zum Jūnihitoe gab es hier weniger Farbvariationen, doch die Farbe des Gewandes zeigte den Rang und die Stellung des Trägers innerhalb der Hofgesellschaft.

Auch die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in dieser Zeit waren sehr interessant. Frauen zeigten ihr Gesicht in der Öffentlichkeit nur selten, daher sahen sich Männer und Frauen oft nicht direkt.

Es gab eine Form der Ehe, bei der der Mann die Frau nachts in ihrem Haus besuchte. Diese Form wird als „Besuchsehe“ bezeichnet. Da die Frauen sich meist hinter Vorhängen oder Paravents aufhielten, konnten Männer ihr Gesicht oft nicht klar sehen. Man erzählt, dass Männer manchmal nur einen Blick auf die Farbkombinationen am Saum des Jūnihitoe erhaschten und dadurch dachten: „Diese Frau muss einen wunderbaren Sinn für Ästhetik haben.“

Umgekehrt konnte auch eine Frau anhand des Gewandes eines Mannes einen Eindruck von ihm gewinnen.

Danach tauschten die beiden häufig Briefe aus – jedoch keine gewöhnlichen Briefe, sondern Waka-Gedichte. Durch diese poetischen Nachrichten lernten sie sich langsam kennen und entwickelten Gefühle füreinander. Auch darin zeigt sich die romantische Kultur dieser Zeit. Wenn man die berühmte klassische Erzählung „Die Geschichte des Prinzen Genji“ (Genji Monogatari) liest, kann man viel über das Leben und die Beziehungen der höfischen Gesellschaft jener Zeit erfahren.

Die Menschen der Heian-Zeit legten außerdem großen Wert auf Wahrsagerei und Astrologie. Manchmal entschieden sie sogar anhand von Vorhersagen, ob sie an einem bestimmten Tag das Haus verlassen sollten oder nicht.

Wenn man all diese Aspekte betrachtet, wird deutlich, dass die Heian-Zeit nicht nur in Bezug auf Mode, sondern auch in ihrer Ästhetik, Kultur und Naturverbundenheit eine außergewöhnlich reiche Epoche war.

Natürlich ist die höfische Mode von vor tausend Jahren heute nicht mehr unverändert erhalten. Doch ihr Geist lebt bis heute weiter. Auch wenn sich Formen und Stile im Laufe der Zeit verändert haben, spürt man die ästhetische Sensibilität der Heian-Zeit noch immer im modernen Kimono.

Die Schönheit und das kulturelle Empfinden dieser tausend Jahre alten Hofkultur leben bis heute – leise und elegant – in den Kimonos weiter.

 

Bild: Szene aus dem Genji Monogatari („Wakamurasaki“), Illustration von Tosa Mitsuoki, Edo-Zeit (Public Domain, Wikimedia Commons)

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