Die japanische Regenzeit und das Leben mit Kimono

  • Von MaedaYumiko
  • 3 min Lesezeit
Die japanische Regenzeit und das Leben mit Kimono

Die japanische Regenzeit gehört nicht unbedingt zu den einfachsten Jahreszeiten für Kimono.Und doch entwickelte sich in Japan eine Kleidungskultur, die mit Luft, Feuchtigkeit und den Jahreszeiten lebt.

Der Juni hat begonnen.
Übrigens habe ich im Juni auch Geburtstag — ich bin also wieder ein Jahr älter geworden. Ein schöner Anlass.

Doch zurück zum eigentlichen Thema:
In Japan beginnt im Juni die sogenannte Regenzeit, auf Japanisch Tsuyu.

Im Vergleich zu Deutschland oder vielen Teilen Europas ist Japan ein sehr feuchtes Inselland.
Während der Regenzeit wird die Luft besonders schwer und schwül.

Da stellt sich schnell die Frage:
Wie konnten Menschen in einem so feuchten Klima überhaupt Kimono tragen?

Aus heutiger Sicht wirkt ein empfindlicher Seidenkimono in einer so feuchten Umgebung vielleicht unpraktisch.
Doch tatsächlich waren Kimono erstaunlich gut an das japanische Klima angepasst.


Trugen früher alle täglich Seide?

Tatsächlich trugen die meisten Menschen nicht jeden Tag teure Seidenkimono.

Im Sommer wurden oft leichtere Materialien wie Leinen oder Baumwolle getragen.
Auch Yukata — die in Europa manchmal mit einem „Bademantel“ verglichen werden — waren alltägliche Sommerkleidung.

Selbst bei Seidenkimono gab es spezielle Sommerstoffe wie Ro oder Sha: leichte, transparente Gewebe, die Luft besonders gut durchlassen.

Diese Stoffe halfen dabei, die heißen und feuchten Sommer etwas angenehmer zu machen.


Seide und Feuchtigkeit

Seide ist ein Naturmaterial und nimmt Feuchtigkeit leicht auf.

Gleichzeitig liegt genau darin auch ihre besondere Schönheit:
die weiche Bewegung des Stoffes und der natürliche Glanz.

Ähnlich wie traditionelle japanische Häuser auf Luftzirkulation ausgelegt sind, wurden auch Kimono dafür gemacht, mit Luft und Jahreszeiten zu „atmen“.

An sonnigen Tagen ließ man Kimono deshalb im Schatten auslüften — eine traditionelle Methode namens Mushiboshi, um Feuchtigkeit entweichen zu lassen.


Kimono bei Regen

Auch für Regentage gab es Lösungen.

Dafür trug man sogenannte Regenmäntel für Kimono (Ama-Cort bzw. Rain Coat for Kimono).

Heute besitzen viele davon wasserabweisende Beschichtungen.
Früher gab es solche modernen Materialien natürlich noch nicht.

Trotzdem half bereits eine zusätzliche Stoffschicht dabei, Regen und Schmutz etwas abzuhalten.

Die japanische Kleidungskultur basierte lange Zeit weniger darauf, Natur vollständig auszuschließen, sondern eher darauf, mit den Jahreszeiten und dem Klima zu leben.


Mit den Jahreszeiten leben

Kimono-Kultur bedeutet nicht, sich vollkommen vor der Natur zu schützen.

Vielmehr geht es darum, mit den Jahreszeiten zu leben:
Luft durch den Stoff strömen zu lassen, Kleidung ruhen zu lassen und sie sorgfältig zu pflegen.

Vielleicht liegt genau darin ein Teil des besonderen Charmes japanischer Kleidungskultur.


Was ich in Deutschland bemerke

Seit ich in Deutschland lebe, habe ich oft das Gefühl, dass Kimono hier sogar leichter aufzubewahren sind als in Japan.

Da die Luftfeuchtigkeit deutlich niedriger ist, hatte ich bisher weder Probleme mit Schimmel noch mit Insektenbefall während der Lagerung.

Wollkimono habe ich trotzdem nicht mitgebracht, da Wolle natürlich empfindlicher gegenüber Motten sein kann.

Für Seidenkimono empfinde ich das Klima hier jedoch als sehr angenehm.

Kimono sind empfindliche Kleidungsstücke, aber wenn man ihnen Luft gibt und sorgfältig mit ihnen umgeht, können sie über viele Jahre hinweg getragen werden.

Ich hoffe sehr, dass auch ihr Kimono und Haori lange und mit Freude tragen könnt.



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