Ein japanischer Sommer – Bon Odori, Sommerfeste und Yukata

  • Von MaedaYumiko
  • 4 min Lesezeit
Ein japanischer Sommer – Bon Odori, Sommerfeste und Yukata

Sommer in Japan bedeutet für mich Bon Odori, Sommerfeste, Kakigori und natürlich Yukata. Ein persönlicher Einblick in japanische Sommertraditionen und die besondere Welt des Yukata.

Die Sommerferien neigen sich langsam dem Ende zu.

Für unsere Familie bedeutet eine Reise nach Japan fast immer: Sommer. Der japanische Sommer ist zwar sehr heiß, aber gleichzeitig gibt es so viele Dinge, die einfach zu dieser Jahreszeit gehören – Bon Odori, das Meer, Kakigori, das japanische Shaved Ice, und natürlich die vielen Sommerfeste. Auch dieses Jahr haben wir den Sommer in Japan gemeinsam mit den Kindern sehr genossen.

Diesmal waren wir auf einem Sommerfest in Osaka und konnten dort auch ein wenig Bon Odori erleben. Im vergangenen Jahr besuchten wir ein kleines, traditionelles Sommerfest in einer ländlicheren Gegend von Kyoto. Gemeinsam mit den Menschen aus der Umgebung tanzten wir Bon Odori und konnten die besondere Atmosphäre eines japanischen Sommerabends genießen.

In diesem Jahr hat mir außerdem eine Freundin aus Tokushima Fotos vom berühmten Awa Odori geschickt. Dieses traditionelle Tanzfest blickt auf eine Geschichte von mehr als 400 Jahren zurück und gehört zu den bekanntesten Sommerfesten Japans. Die ganze Stadt wird dabei von Musik, Rhythmus und Tanz erfüllt. Ich wollte dieses Fest schon lange einmal selbst erleben und hoffe, dass ich es irgendwann besuchen kann, wenn es zeitlich passt.

Und wenn man in Japan an Sommerfeste und Bon Odori denkt, gehört eines fast immer dazu: der Yukata.

Der Yukata ist eine leichte Form des Kimono und hat seinen Ursprung in Kleidung, die ursprünglich beim Baden oder danach getragen wurde – in seiner damaligen Funktion also ein wenig vergleichbar mit einem europäischen Bademantel. Heute ist der Yukata jedoch vor allem ein typisches Kleidungsstück des japanischen Sommers und wird besonders gern bei Sommerfesten und Feuerwerken getragen.

Die meisten Yukata bestehen aus Baumwolle. Anders als bei einem klassischen Kimono wird darunter normalerweise kein Nagajuban, also ein langes Untergewand für den Kimono, getragen. Dadurch ist der Yukata wesentlich unkomplizierter anzuziehen. Die Stoffe sind meist leicht und luftdurchlässig und deshalb gut für die heißen japanischen Sommer geeignet.

Heute gibt es viele Yukata in Pastelltönen oder mit modernen Designs. Traditionelle Yukata findet man dagegen häufig in kühlen Farbtönen wie Indigo und Weiß sowie mit Motiven, die an den japanischen Sommer erinnern – zum Beispiel Morning Glory, Goldfische, Feuerwerk oder verschiedene Blumen und Pflanzen.

Besonders schön finde ich persönlich Yukata aus Arimatsu Shibori. Arimatsu Shibori ist eine traditionelle japanische Reservier- und Färbetechnik aus der Präfektur Aichi, die dort seit Jahrhunderten weitergegeben wird. Ich selbst komme aus Aichi und besitze einen alten Shibori-Yukata, den mir meine Mutter überlassen hat. Vielleicht fühlt sich Arimatsu Shibori für mich gerade deshalb besonders vertraut und persönlich an.

Bei dieser Technik werden einzelne Bereiche des Stoffes von Hand abgebunden, gefaltet oder fixiert und anschließend gefärbt. Dadurch entstehen nicht nur die charakteristischen Muster, sondern auch eine leicht dreidimensionale Struktur im Stoff. Genau diese Unregelmäßigkeit und Lebendigkeit macht für mich einen ganz besonderen Reiz aus – ganz anders als bei einem gedruckten Muster.

Zu einem Yukata trägt man normalerweise einen Hanhaba-Obi. „Hanhaba“ bedeutet ungefähr „halbe Breite“: Dieser Obi ist deutlich schmaler als viele traditionelle Obi, die zu einem formelleren Kimono getragen werden. Hanhaba-Obi gibt es aus unterschiedlichen Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Seide. Sie sind meist leichter und unkomplizierter zu binden als ein klassischer breiter Obi.

Auch Obiage und Obijime, die man bei vielen klassischen Kimono-Stylings zusätzlich zum Obi verwendet, sind beim Yukata normalerweise nicht notwendig. Ein Yukata kann deshalb vergleichsweise unkompliziert und lässig getragen werden.

Natürlich kann man ihn aber auch eleganter stylen. Je nach Muster und Anlass lassen sich zum Beispiel ein Obijime – eine schmale dekorative Kordel über dem Obi – oder andere Obi-Accessoires ergänzen. Auch ein sichtbarer Haneri, ein dekorativer Kragen des Kimono-Untergewands, kann einen Yukata etwas mehr wie einen klassischen Kimono wirken lassen.

In den letzten Jahren sieht man außerdem immer häufiger den sogenannten Heko-Obi. Das ist ein sehr weicher und leichter Obi, der sich besonders voluminös binden lässt. Dadurch entsteht ein verspielter und luftiger Look, der gerade bei modernen Yukata sehr beliebt ist.

Und genau das ist für mich auch einer der schönsten Aspekte des Yukata: die vielen Möglichkeiten, den Obi zu binden. Sowohl Hanhaba-Obi als auch Heko-Obi lassen sich auf zahlreiche Arten arrangieren. Je nach Stimmung, Yukata und Anlass kann so jedes Styling ein wenig anders aussehen.

Der Yukata ist ein traditionelles japanisches Kleidungsstück – und gleichzeitig etwas, das bis heute ganz selbstverständlich zum japanischen Sommer gehört.

Auch bei meiner diesjährigen Einkaufstour in Japan habe ich einige Yukata ausgewählt. Bis sie in Berlin ankommen, wird es noch ein wenig dauern. Sobald sie da sind, werde ich sie nach und nach auch im Onlineshop zeigen.

Ich freue mich, wenn Ihr wieder vorbeischaut und Euch ein kleines Stück japanischen Sommer nach Hause holt.

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