Hanami – Die Tradition der Kirschblüten in Japan

  • Von MaedaYumiko
  • 3 min Lesezeit
Hanami – Die Tradition der Kirschblüten in Japan

Der Frühling ist angekommen, und auch in Japan beginnt nun langsam die Zeit, in der die Kirschblüten zu blühen beginnen. Wie viele von Ihnen vielleicht schon wissen, ist die Kirschblütenzeit auch die Zeit des Hanami – des traditionellen Kirschblütenfests.

Doch was genau ist Hanami?

Der Ursprung des Hanami soll bis in die Nara-Zeit (710–794) zurückreichen. Damals bewunderten die Adligen vor allem die Blüten der Pflaumenbäume. Unter dem Einfluss der chinesischen Kultur galt die Pflaumenblüte als typische Frühlingsblume. Auch in der berühmten Gedichtsammlung Man’yōshū finden sich viele Gedichte über Pflaumenblüten, was zeigt, wie sehr sie damals geschätzt wurden.

Kirschbäume hingegen galten in dieser Zeit als besondere Bäume. Man glaubte, dass in ihnen Berggötter oder Reisgötter wohnen könnten, weshalb sie für die Menschen eine besondere spirituelle Bedeutung hatten.

In der Heian-Zeit (794–1185) begann sich dies zu verändern. Allmählich verlagerte sich der Fokus der Blütenbetrachtung von Pflaumenblüten auf Kirschblüten. In den Gedichten der Hofadligen tauchten Kirschblüten immer häufiger auf, und auch in der Literatur spielten sie eine wichtige Rolle. Ein berühmtes Beispiel ist der klassische Roman Die Geschichte vom Prinzen Genji, in dem ein Fest unter blühenden Kirschbäumen beschrieben wird. Seit dieser Zeit gelten Kirschblüten als Symbol des Frühlings in Japan.

Für Bauern hatte das Betrachten der Blüten jedoch eine etwas andere Bedeutung. Der Frühling markierte für sie den Beginn der Arbeit auf den Feldern. Wenn die ersten Blumen blühten, betrachteten die Menschen sie auch mit einer religiösen Bedeutung und verbanden damit den Wunsch, Unglück zu vertreiben und eine gute Ernte zu erbitten.

Solche Bräuche waren oft an bestimmte Tage gebunden. Dann gingen die Menschen in die Berge oder aufs Land, um die Blüten zu genießen. Diese Ausflüge wurden „No-asobi“ (Feldspiele) oder „Yama-asobi“ (Bergspiele) genannt. Auch Kirschbäume gehörten dazu, und man verbrachte Zeit unter ihren Blüten – vielleicht auch in der Hoffnung auf eine reiche Ernte.

Die heutige Form des Hanami, bei der Menschen einfach zusammenkommen, um die Kirschblüten zu genießen, verbreitete sich vor allem während der Edo-Zeit (1603–1868) unter der Bevölkerung. Damals ließ der Shōgun Tokugawa Yoshimune in vielen Teilen der Stadt Edo (dem heutigen Tokio) Kirschbäume pflanzen, sodass immer mehr Menschen die Blüten genießen konnten. Seitdem hat sich Hanami zu einer festen Tradition des japanischen Frühlings entwickelt.

Man sagt, dass es etwa 250 bis 300 verschiedene Arten von Kirschblüten gibt. In ganz Japan kann man daher viele unterschiedliche Formen und Farben dieser wunderschönen Blüten erleben.

Auch die Pflaumenblüte ist in Japan sehr beliebt. Da sie früher als die Kirschblüte blüht, vermittelt ihr Anblick oft das Gefühl, dass der lange Winter endlich vorbei ist und der Frühling langsam näher rückt.

Als ich früher in Kyoto lebte, habe ich die berühmten Hanami-Orte in den touristischen Gegenden eher gemieden, weil dort immer sehr viele Menschen waren. Da ich jedoch am Fluss Kamogawa wohnte, konnte ich weiter flussaufwärts spazieren gehen, wo auf beiden Seiten des Flusses Kirschbäume blühten. Schon ein einfacher Spaziergang reichte aus, um die Schönheit der Kirschblüten zu genießen.

Auch entlang der Straße dort standen viele Kirschbäume, die fast wie ein Tunnel aus Blüten wirkten. Selbst wenn ich während der Arbeit mit dem Auto unterwegs war, habe ich oft automatisch das Tempo reduziert, um die Kirschblüten einen Moment länger betrachten zu können.

Für viele Menschen in Japan sind Kirschblüten ein wichtiges Zeichen für den Beginn des Frühlings. Gleichzeitig gehören sie ganz selbstverständlich zum Alltag und zur Landschaft.

Wenn meine Kinder im Frühling nach Japan reisen können, gehen wir immer gemeinsam Kirschblüten anschauen, und sie freuen sich jedes Mal sehr darüber.

Auch in Berlin kann man Kirschbäume sehen, deshalb denke ich, dass ich bald wieder losgehen werde, um mir die Blüten anzusehen. Zeit unter blühenden Kirschbäumen zu verbringen, ist für viele Menschen in Japan etwas ganz Besonderes.

Wenn Sie die Gelegenheit haben, genießen Sie doch einmal selbst die Kirschblüten.

Und wenn Sie Kimono mögen, kann ein Ausflug im Kimono die Atmosphäre des Frühlings vielleicht noch ein bisschen besonderer machen.

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