Ist dieser Kimono noch nicht fertig? – Die Bedeutung der Shitsuke-ito (仕付糸)
- Von MaedaYumiko
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Viele fragen sich, ob ein Kimono mit Fäden noch nicht fertig ist. Doch genau diese sogenannten Shitsuke-ito können ein Zeichen für einen besonders guten Zustand sein.
Wenn ich auf Märkten verkaufe, werde ich oft nach den feinen weißen Fäden gefragt, die noch an einigen Kimonos zu sehen sind.
Diese nennt man Shitsuke-ito (仕付糸).
„Ist das noch nicht fertig?“ werde ich dann manchmal gefragt.
Ganz im Gegenteil – es ist eher ein gutes Zeichen.
Soweit es die Zeit erlaubt, entferne ich diese Fäden vor dem Verkauf.
Bei Stücken auf dem Markt kann es jedoch vorkommen, dass sie noch vorhanden sind, und in diesem Fall bitte ich die Kundinnen und Kunden, sie selbst vor dem Tragen zu entfernen.
Interessanterweise ist es in Japan beim Verkauf von gebrauchten Kimonos oder Haori (traditionelle Jacken über dem Kimono) oft sogar bevorzugt, wenn die Shitsuke-ito noch vorhanden sind.
Der Grund dafür ist, dass diese Fäden beim Fertigstellen eines Kimonos angebracht werden.
Das bedeutet, dass ein Kleidungsstück zwar gebraucht sein kann, aber möglicherweise kaum getragen wurde und lange Zeit sorgfältig aufbewahrt war – ein Hinweis auf einen sehr guten Zustand.
Auch nach einer professionellen Reinigung können diese Fäden wieder angebracht werden.
In Japan gibt es eine spezielle Reinigungsmethode namens Arai-hari (洗い張り): Dabei wird der Kimono vollständig auseinandergenommen, als Stoff gewaschen und anschließend neu zusammengenäht. In diesem Prozess werden die Shitsuke-ito oft erneut angebracht.
Das Vorhandensein dieser Fäden bedeutet also nicht zwangsläufig, dass ein Kimono neu ist, kann aber ein Hinweis darauf sein, dass er lange nicht getragen und gut gepflegt wurde.
Doch wozu dienen diese Fäden eigentlich?
Ähnlich wie die Heftfäden bei neuen Anzügen helfen sie dabei, die Form des Kleidungsstücks zu bewahren.
Da Kimonos und Haori gefaltet wie Origami aufbewahrt werden, verhindern die Shitsuke-ito, dass sich unerwünschte Falten oder Knicke bilden.
Auch diese Fäden selbst können sehr interessant sein.
Je nach Alter des Kimonos unterscheiden sie sich, und beim Entfernen lassen sich diese Unterschiede gut erkennen.
Bei antiken Kimonos ist fast alles Handarbeit – und natürlich gilt das auch für die Shitsuke-ito.
Man kann die feine Handarbeit spüren, und manchmal wirkt es fast schade, sie zu entfernen.
Dennoch werden diese Fäden vor dem Tragen immer entfernt.
Daher nehme ich sie bei Bestellungen im Online-Shop grundsätzlich ab, auch wenn sie auf den Fotos noch sichtbar sind.
Schon ein wenig Wissen über solche Details kann den Blick auf Kimonos verändern – und vielleicht dabei helfen, ein ganz besonderes Stück zu entdecken.