Mehr als nur Seide – die vielfältigen Materialien japanischer Kimono

  • Von MaedaYumiko
  • 5 min Lesezeit
Mehr als nur Seide – die vielfältigen Materialien japanischer Kimono

Kimono bestehen nicht nur aus Seide. Je nach Epoche, Jahreszeit und Verwendungszweck wurden auch Baumwolle, Asa, Kunstseide, Rayon und Polyester verwendet. In diesem Artikel geht es um die unterschiedlichen Eigenschaften dieser Stoffe, ihre historische Bedeutung und darum, warum der Wert eines Kimono nicht allein vom Materialnamen abhängt.

Materialien von Kimono – mehr als nur Seide

Dieses Mal möchte ich etwas über die verschiedenen Materialien erzählen, die für Kimono verwendet werden.

Wenn man an Kimono denkt, kommt vielen Menschen wahrscheinlich zuerst Seide in den Sinn. Andere denken vielleicht an Baumwolle und an Yukata, die leichten japanischen Sommergewänder.

Kimono wurden jedoch nicht nur aus Seide hergestellt. Je nach Epoche, Jahreszeit und Verwendungszweck kamen auch Baumwolle, verschiedene Pflanzenfasern, Kunstseide, Rayon und heute auch Polyester zum Einsatz.

Das Material beeinflusst nicht nur das Aussehen eines Kimono. Es bestimmt auch, wie sich der Stoff anfühlt, wie er fällt, wie er das Licht reflektiert und welche Wirkung das Kleidungsstück beim Tragen entfaltet.

Seide – viele unterschiedliche Strukturen und Qualitäten

Viele antike Kimono und Haori wurden aus Seide gefertigt.

Eine Auswahl meiner Antik Haori finden Sie hier.

Doch Seide ist nicht gleich Seide. Manche Seidenstoffe sind weich und fließend, andere haben mehr Stand. Einige besitzen einen feinen Glanz, während andere eher matt, trocken oder leicht strukturiert wirken.

Diese Unterschiede entstehen nicht nur durch die Qualität der Faser. Auch die Stärke und Drehung der Fäden, die Webart und die Weiterverarbeitung des Stoffes spielen eine wichtige Rolle.

Deshalb können sich japanische Seidenstoffe deutlich anders anfühlen als die Seide, die man in Europa häufig kennt.

Auch das Alter verändert einen Stoff. Antike Seide kann mit der Zeit besonders weich werden, in anderen Fällen aber auch etwas fester oder spröder. Lagerung, Feuchtigkeit und frühere Veredelungen können dabei ebenfalls eine Rolle spielen.

Viele Menschen schätzen Seide wegen ihrer glatten Haptik und ihres angenehmen Gefühls auf der Haut. Manche Kundinnen und Kunden wählen Seide ganz bewusst aus diesem Grund.

Wie angenehm sich ein Material auf der Haut anfühlt, ist jedoch individuell. Auch Färbemittel, Futterstoffe, Reibung und der Erhaltungszustand eines älteren Kleidungsstücks können das Tragegefühl beeinflussen.

Sommerkimono – leichte Seidengewebe

Auch Sommerkimono können aus Seide bestehen.

Typische Beispiele sind Ro und Sha. Dabei handelt es sich nicht um eigene Fasern, sondern um leichte, teilweise transparente Webarten.

Durch kleine Zwischenräume im Gewebe wirken diese Stoffe luftig und lassen mehr Luft hindurch. Ihre feine Transparenz gehört zum besonderen Reiz japanischer Sommerkleidung.

Baumwolle – nicht nur für Yukata

Baumwolle ist vor allem durch Yukata bekannt. Sie wurde in Japan aber auch für Kimono des Alltags verwendet.

Ältere japanische Baumwollstoffe fühlen sich teilweise anders an als Baumwollstoffe, die man in Europa häufig findet. Das liegt vor allem an der Stärke der Garne, der Webart, der Färbung und der Oberflächenbehandlung.

Manche Stoffe sind fest und robust, andere weich und geschmeidig. Besonders lange getragene Baumwollstoffe können eine besondere Weichheit und Tiefe entwickeln.

Asa – traditionelle japanische Pflanzenfasern

Für sommerliche Kleidung wurden in Japan schon früh verschiedene Pflanzenfasern verwendet. Im Japanischen werden sie häufig unter dem Oberbegriff Asa zusammengefasst.

Asa sollte jedoch nicht automatisch mit Leinen gleichgesetzt werden.

Leinen wird aus Flachs hergestellt. Für traditionelle japanische Stoffe wurden daneben auch andere Pflanzen verwendet, zum Beispiel Ramie und historisch auch Hanf.

Diese Stoffe sind oft atmungsaktiv, trocken im Griff und angenehm kühl. Je nach Region und Herstellungsweise können sie eine feine Transparenz, einen festen Stand oder eine leicht unregelmäßige Struktur besitzen.

Kunstseide, Rayon und Polyester

Bei älteren Kimono und Haori findet man gelegentlich sogenannte Kunstseide.

Der historische japanische Begriff dafür lautet Jinken. Damit wurden Fasern bezeichnet, die entwickelt wurden, um den Glanz und den Fall natürlicher Seide nachzuahmen.

Heute werden solche Stoffe häufig der Rayon- oder Viskosefamilie zugeordnet. Da historische Bezeichnungen jedoch nicht immer vollkommen einheitlich verwendet wurden, lässt sich Jinken nicht in jedem Fall ohne weitere Prüfung nur einer modernen Faserart zuordnen.

Kunstseide wird manchmal automatisch als weniger wertvoll angesehen. Doch der Wert eines Kimono hängt nicht allein vom Materialnamen ab.

Unter älteren Stoffen aus Kunstseide oder Rayon finden sich sehr schöne Qualitäten mit feinem Glanz, weichem Fall und angenehmer Haptik. Auch Alter, Muster, Färbung, Webtechnik, Seltenheit und Erhaltungszustand tragen zum Wert eines Stückes bei.

Auch Polyesterstoffe unterscheiden sich stark in ihrer Qualität.

Beim Wort Polyester denken manche Menschen an dünne, steife und kostümartig wirkende Stoffe. Es gibt jedoch auch hochwertige Polyestergewebe, die speziell für Kimono entwickelt wurden.

Sie können ein angenehmes Gewicht, einen weichen Fall und einen dezenten Glanz besitzen. Im japanischen Kimono-Handel wird dafür umgangssprachlich manchmal der Begriff Jō-Polyester oder kurz Jō-Poly verwendet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine offiziell festgelegte Qualitätsstufe.

Hochwertige Polyesterkimono sind häufig pflegeleichter, weniger knitteranfällig und unempfindlicher gegenüber Regen und Flecken.

Natürlich ist ein dünner, preisgünstiger Polyesterstoff nicht mit einem sorgfältig hergestellten Kimono-Gewebe gleichzusetzen.

Wie Uchia die Materialien überprüft

Bei Uchia prüfe ich das Material und den Zustand jedes einzelnen Stückes auf Grundlage meiner Erfahrung im Umgang mit Kimono in Japan.

Zusätzlich beziehe ich das Wissen vertrauenswürdiger japanischer Kimono-Händlerinnen, Kimono-Händler und anderer Fachleute ein.

Wenn sich ein Material nicht eindeutig bestimmen lässt, betrachte ich nicht nur Glanz und Haptik. Ich überprüfe auch die Webstruktur, den Fall des Stoffes, die Fäden und, wenn möglich, die Rückseite des Gewebes.

Bei Bedarf verwende ich ein Mikroskop oder führe mit einem bereits gelösten, sehr kleinen Faden eine Brennprobe zur Faserbestimmung durch.

Trotzdem ist eine hundertprozentig sichere Bestimmung nicht immer möglich.

Besonders schwierig sind Mischgewebe oder Stoffe, bei denen Kett- und Schussfäden aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Auch Alterung und frühere Veredelungen können die Beurteilung erschweren.

Wenn sich ein Material nicht zweifelsfrei feststellen lässt, kennzeichne ich dies bei Uchia offen und ehrlich.

Der Wert eines Kimono hängt nicht nur von Seide ab

Seide ist ein wunderschönes Material mit besonderen Eigenschaften. Doch ein Kimono ist nicht automatisch wertlos, nur weil er nicht aus Seide besteht.

Auch Baumwolle, Asa, Kunstseide, Rayon und hochwertiges Polyester können eine besondere Qualität und eine eigene Geschichte besitzen.

Der Glanz einer alten Kunstseide, die Weichheit einer lange getragenen Baumwolle, die kühle Struktur eines Asa-Gewebes oder die Pflegeleichtigkeit eines hochwertigen Polyesterstoffes – jedes Material hat seinen eigenen Reiz.

Für die Beurteilung eines Kimono sind deshalb mehrere Dinge wichtig: die Qualität des Stoffes, die Web- und Färbetechnik, das Muster, das Alter, die Seltenheit und der Erhaltungszustand.

Bei Uchia möchte ich ein Kleidungsstück nicht nur anhand des Materialnamens beurteilen. Ebenso wichtig sind seine Haptik, seine Herstellung, sein ursprünglicher Verwendungszweck und die Geschichte, die der Stoff über viele Jahre in sich getragen hat.

Jeder Kimono und jeder Haori besitzt seinen eigenen Charakter.

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