Schnee und Kimono – eine japanische Winterästhetik
- Von MaedaYumiko
- 2 min Lesezeit
Dieser Winter ist in Deutschland sehr kalt, und die Tage mit Schnee halten an.
Unsere Kinder genießen den Schnee und verbringen ihre Tage voller Freude.
Für mich jedoch ist die Kälte manchmal etwas streng, und ich sehne mich bereits nach dem Frühling.
Auch in Japan fällt natürlich Schnee.
„Schnee und Kimono“ sind dort seit jeher Teil einer winterlichen Ästhetik.
In der Zeit, als Kimono Alltagskleidung waren, unterschied sich das Leben in Japan etwas von dem in Deutschland.
Auch in den Häusern war es kalt, und der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen war gering.
Daher waren warme Kleidung und mehrere Schichten selbstverständlich.
Für die Menschen damals war Schnee nichts Ungewöhnliches.
Er war zugleich eine Herausforderung, Teil des Alltags – und ein Objekt der Schönheit.
Diese Wahrnehmung findet sich in vielen Waka, Haiku und Ukiyo-e wieder,
in denen Szenen von Schnee und Kimono immer wieder dargestellt werden.
Der weiße Schnee lässt Informationen der Landschaft leise verschwinden.
Wenn der Hintergrund reduziert wird, treten die Farben und Muster der Kimono umso deutlicher hervor.
Die langsamen Bewegungen im Schnee erzeugen eine Stille und ein Gefühl von Harmonie mit der Natur.
Ich empfinde diese Ästhetik als etwas zutiefst Japanisches,
entstanden aus einem langen Leben in strengen Wintern und verschneiten Landschaften.
In der japanischen Auffassung von Schnee gibt es zudem den Gedanken,
dass nicht alles gezeigt werden muss, um Raum für Vorstellungskraft zu schaffen.
Von Schnee bedeckte Landschaften setzen Farben und Formen gleichsam zurück.
Vor diesem Hintergrund bleiben das Rot eines Kimonos, ein tiefes Indigo oder ein zurückhaltendes Muster besonders stark im Gedächtnis.
Kimono sind außerdem Kleidungsstücke, die die Jahreszeiten bewusst würdigen.
Für den Winter wurden traditionell Motive mit Bedeutung gewählt.
Kiefer, Bambus und Pflaume stehen für Widerstandskraft und das Warten auf den Frühling.
Nanten symbolisiert das Überwinden von Schwierigkeiten.
Das Schneekreismotiv abstrahiert den Schnee selbst.
An verschneiten Tagen wählten die Menschen bewusst den Kimono.
Sie genossen das Geräusch der Schritte im Schnee, die stille Luft und die langsameren Bewegungen des Alltags.
Vielleicht war dies eine kleine Form von Luxus – das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen zu finden.
Auch wenn dieses Empfinden heute etwas verblasst ist,
halte ich es für einen besonders schönen Aspekt der japanischen Kultur,
nicht allein die Funktionalität, sondern die Qualität des gelebten Augenblicks zu schätzen.
Betrachtet man alte Ukiyo-e, wird deutlich,
dass der Alltag selbst – einschließlich der Kleidung – als etwas Schönes verstanden wurde.
Nicht Hast und Effizienz standen im Vordergrund, sondern die Frage,
wie Zeit und Raum bewusst und gut gestaltet werden können.
Und immer ist der Kimono Teil dieses Alltags.
Er ist eines der Dinge, auf die Japan mit Recht stolz sein kann.