Tsumugi – A Traditional Japanese Silk Weaving Technique for Kimono and Haori

  • Von MaedaYumiko
  • 5 min Lesezeit
Tsumugi – A Traditional Japanese Silk Weaving Technique for Kimono and Haori

Discover Tsumugi, a traditional Japanese silk textile known for its rich texture and natural character. Learn how different silk threads, including irregular Fushi-Ito, create the distinctive surface of kimono and haori.  

Eine andere Seite der Seide – die Schönheit unregelmäßiger Fäden und Tsumugi

In letzter Zeit war ich vormittags fast jeden Tag gemeinsam mit meinem Sohn in seiner neuen Kita – gewissermaßen sind wir also zusammen „zur Arbeit“ gegangen.

Da er normalerweise überhaupt nicht schüchtern gegenüber anderen Menschen ist, dachte ich eigentlich, dass die Eingewöhnung ganz problemlos verlaufen würde. Aber wie so oft kam es natürlich anders als erwartet. Sein ziemlich starker eigener Wille hat sich dabei deutlich gezeigt – von wem er den wohl hat …?

Ich hoffe jedenfalls, dass er sich Schritt für Schritt an seine neue Umgebung gewöhnt.

Deshalb hatte ich in letzter Zeit kaum Zeit, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Nun ist aber endlich wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt.

Dieses Mal möchte ich über ein anderes Thema sprechen als bei meinem letzten Beitrag über Shibori: Es geht um die Webstruktur und die unterschiedlichen Oberflächen von Seidenstoffen.

Bei Kimono und Haori gibt es viele verschiedene Arten von Geweben. Heute möchte ich besonders auf Stoffe mit sichtbaren Unregelmäßigkeiten und kleinen Verdickungen im Faden eingehen – und auf Tsumugi, eine der bekanntesten Formen japanischer Seidengewebe, bei denen solche lebendigen Oberflächen häufig vorkommen.

Seide ist nicht immer glatt und glänzend

Seide gehört zu den klassischen Materialien für Kimono und Haori. Wie viele wahrscheinlich wissen, wird sie aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen.

Wenn wir an Seide denken, stellen wir uns oft einen glatten, weichen und leicht glänzenden Stoff vor.

Bei klassischer Rohseide, auf Japanisch Kiito, werden lange, zusammenhängende Seidenfasern direkt aus dem Kokon abgewickelt und zu einem Faden zusammengeführt. Da diese Fasern sehr lang und relativ gleichmäßig sind, entsteht ein glatter Faden, der häufig den typischen feinen Glanz von Seide zeigt.

Es gibt aber auch eine andere Art, Seidenfäden herzustellen.

Dafür werden die Kokons zunächst zu einer weichen, watteähnlichen Schicht auseinandergezogen. Dieses Material nennt man auf Japanisch Mawata.

Aus dieser Seidenwatte werden die Fasern anschließend nach und nach herausgezogen und zu Fäden versponnen. Dadurch ist der Faden oft nicht vollkommen gleichmäßig. Er kann dünnere und dickere Stellen, kleine Verdickungen und eine leicht unregelmäßige Oberfläche besitzen.

Das Ergebnis ist ein weicherer, etwas voluminöser wirkender Faden mit einer ganz anderen Ausstrahlung als glatte Seide.

Beides ist also Seide.

Der Unterschied liegt nicht im Material selbst, sondern darin, wie der Faden hergestellt wird. Und genau diese Unterschiede im Faden verändern später auch die Oberfläche und den Charakter des fertigen Stoffes.

Was ist Tsumugi?

Eine der bekanntesten japanischen Seidengewebearten, bei denen man diese besondere Oberflächenstruktur finden kann, ist Tsumugi.

Tsumugi ist ein traditionelles japanisches Seidengewebe, dessen Ursprung in Stoffen liegt, die aus handgesponnenen Seidenfäden aus Mawata hergestellt wurden.

Da diese Fäden häufig kleine Unregelmäßigkeiten in ihrer Dicke besitzen, können im fertigen Stoff sichtbare Verdickungen und feine Unebenheiten entstehen.

Gerade diese Struktur verleiht vielen Tsumugi-Stoffen ihren besonderen Charakter.

Obwohl es sich um Seide handelt, wirken manche Tsumugi-Stoffe weniger glänzend und glatt als andere Seidengewebe. Sie können etwas matter, natürlicher und fast ein wenig baumwollartig wirken.

Genau diese warme und natürliche Ausstrahlung gefällt mir persönlich besonders gut.

Auf den Fotos kann man oft erkennen, wie kleine Unregelmäßigkeiten im Faden eine lebendige Oberfläche entstehen lassen. Für mich sind solche Details keine Fehler – im Gegenteil: Sie geben dem Stoff Tiefe und machen jedes Stück interessanter.

Allerdings bedeutet Tsumugi nicht automatisch, dass der Stoff deutlich sichtbare Verdickungen besitzt.

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Tsumugi. Ein bekanntes Beispiel ist Ōshima Tsumugi, das sehr fein, glatt und dicht gewebt sein kann. Je nach Region, Technik und verwendeten Fäden unterscheiden sich Aussehen und Griff daher teilweise stark.

Viele Tsumugi-Gewebe werden in Leinwandbindung gewebt.

Bei dieser einfachen Grundbindung verlaufen Kett- und Schussfäden abwechselnd über- und untereinander. Dadurch kann der Charakter des verwendeten Fadens besonders gut sichtbar werden.

Ist der Faden leicht unregelmäßig, zeigt sich diese Struktur also auch auf der Oberfläche des fertigen Stoffes.

Was bedeutet „Fushi-Ito“?

Im Zusammenhang mit solchen Stoffen begegnet man auch dem Begriff Fushi-Ito.

Damit bezeichnet man Fäden, deren Stärke nicht vollkommen gleichmäßig ist und die kleine Verdickungen oder knotenartige Stellen aufweisen können.

Beim Weben entstehen dadurch natürliche Unebenheiten, Licht- und Schatteneffekte und eine lebendige Stoffoberfläche.

Wichtig ist jedoch: Ein Stoff mit solchen Verdickungen ist nicht automatisch Tsumugi.

Tsumugi bezeichnet eine bestimmte Art japanischer Gewebe, während Fushi-Ito eine Eigenschaft des Fadens beschreibt.

Solche unregelmäßigen Fäden gibt es außerdem nicht nur bei Seide, sondern auch bei Baumwolle, Leinen und anderen Fasern.

Deshalb lässt sich bei einem Vintage- oder antiken Kimono nicht allein anhand sichtbarer Verdickungen sicher feststellen, dass es sich um Tsumugi handelt.

Die individuelle Oberfläche jedes Stoffes

Wenn ich Vintage- und antike Kimono oder Haori auswähle, achte ich nicht nur auf Farben und Muster.

Auch die Oberfläche des Stoffes spielt für mich eine große Rolle.

Selbst zwei Haori aus Seide können völlig unterschiedlich wirken: Der eine Stoff ist glatt, weich und glänzend, während ein anderer durch feine Unregelmäßigkeiten und kleine Erhebungen viel natürlicher und ruhiger erscheint.

Ich finde gerade diese Unterschiede besonders spannend.

Die Struktur des Fadens, kleine Unebenheiten und die Art, wie das Licht auf die Oberfläche fällt, verleihen jedem Stück einen ganz eigenen Charakter.

Bei Stoffen mit sichtbaren Verdickungen kann die Oberfläche manchmal etwas rauer oder unregelmäßiger wirken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Stoff beschädigt ist.

Oft gehört diese Struktur ganz bewusst zum Charakter des verwendeten Fadens und des Gewebes.

Natürlich können Vintage- und antike Textilien zusätzlich altersbedingte Gebrauchsspuren, Abrieb, Flecken oder beschädigte Fasern aufweisen. Solche tatsächlichen Altersspuren unterscheide ich bei der Beschreibung meiner Stücke selbstverständlich von der natürlichen Struktur des Stoffes.

Seide kann glatt, elegant und glänzend sein – aber genauso gut warm, matt und strukturiert wirken.

Keine dieser Eigenschaften ist besser oder schlechter. Es sind einfach unterschiedliche Seiten desselben Materials.

Wenn Sie das nächste Mal einen Kimono oder Haori in der Hand halten, lohnt es sich deshalb vielleicht, nicht nur das Muster und die Farben anzusehen, sondern auch einmal ganz bewusst die Oberfläche des Stoffes zu betrachten.

Vielleicht entdecken Sie dabei eine ganz andere Seite der Seide.

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