Warum ist das Futter eines Haori so schön?

  • Von MaedaYumiko
  • 4 min Lesezeit
Warum ist das Futter eines Haori so schön?

Warum ist das Futter eines Haori oft so schön? Ein Beitrag über die verborgene Schönheit japanischer Kleidung, die Ästhetik des kaum Sichtbaren und den kleinen Luxus, den vor allem die tragende Person selbst erlebt.

Verborgene Schönheit — über das Futter japanischer Haori

Japanische Haori haben manchmal ein wunderschönes Innenfutter.

Besonders bei antiken Haori oder bei Haori für Männer findet man oft Innenfutter, die überraschend kräftig, kunstvoll oder sogar sehr auffällig gestaltet sind — manchmal so sehr, dass man es von der eher schlichten Außenseite gar nicht erwarten würde.

Auch auf Märkten höre ich von Kundinnen und Kunden immer wieder Sätze wie:
„Das Futter ist fast zu schade, um innen zu sein.“
oder
„Eigentlich müsste man den Haori mit der Innenseite nach außen tragen.“

Tatsächlich gibt es heute viele Menschen, die Haori ganz frei und modern stylen: manche tragen sie fast wie ein wendbares Kleidungsstück, andere lassen das schöne Innenfutter bewusst sichtbar werden. Diese Freiheit, traditionelle Kleidungsstücke auf eine persönliche und zeitgemäße Weise zu tragen, ist für mich ebenfalls ein großer Teil des Charmes von Haori.

Trotzdem stellt sich die Frage: Warum wurde ein Bereich, der bei der traditionellen Trageweise kaum sichtbar ist, so schön und aufwendig gestaltet?

Ich habe dieses Thema vielleicht schon einmal in einem früheren Blogbeitrag berührt, aber für mich liegt genau darin ein wichtiger Teil der Schönheit von Kimono und Haori.

Es geht nicht darum, alles sofort und vollständig zu zeigen. Vielmehr wird gerade den Bereichen, die normalerweise verborgen bleiben oder nur in einem kurzen Moment sichtbar werden — etwa am Ärmel, am Saum oder bei einer Bewegung — eine besondere Schönheit gegeben.

Für mich ist das eine Form der zurückhaltenden japanischen Ästhetik.

Die Außenseite eines Haori kann relativ schlicht und ruhig wirken. Doch beim Gehen, beim Bewegen der Ärmel oder beim An- und Ausziehen erscheint plötzlich ein kräftiges, schönes Muster im Inneren. Dieser kurze Moment kann oft viel eindrucksvoller sein als etwas, das von Anfang an vollständig sichtbar ist.

Sich nicht nur an den sichtbaren Stellen zu schmücken, sondern bewusst auch dem Verborgenen Schönheit zu schenken — das ist für mich sehr luxuriös und zugleich sehr iki, also elegant, stilvoll und auf eine unaufdringliche Weise raffiniert.

Es ist eine Schönheit, die vielleicht nicht jeder sofort sieht. Aber die Person, die den Haori trägt, weiß um sie. Und gerade dieses Wissen kann ein kleines, sehr persönliches Gefühl von Freude und Besonderheit schenken.

Interessant ist dabei auch, dass das Futter von Haori und viele Nagajuban sehr schön gemustert sind, während das Innenfutter eines Kimono selbst oft vergleichsweise schlicht ist.

Das hat auch mit der unterschiedlichen Funktion zu tun. Das Futter eines Kimono dient vor allem praktischen Zwecken: Es stützt den Oberstoff, sorgt für einen besseren Sitz, erleichtert die Bewegung und schützt den Stoff. Natürlich gibt es auch hier ästhetische Entscheidungen, zum Beispiel bei der Farbabstimmung des Hakkake, also des Futters im unteren Bereich des Kimono. Doch im Vergleich zum Innenfutter eines Haori oder zu einem Nagajuban ist das Kimono-Futter meist weniger als Fläche für große, auffällige Muster gedacht.

Diese Ästhetik findet man jedoch nicht nur beim Haori.

Auch Nagajuban, die unter dem Kimono getragen werden, können wunderschön sein. Bei einer traditionellen Trageweise ist ein Nagajuban fast vollständig verborgen. Trotzdem gibt es besonders bei Männer-Nagajuban sehr ausdrucksstarke Motive: Landschaften, glückverheißende Symbole, erzählerische Szenen oder kräftige grafische Muster. Auch Nagajuban für Frauen haben oft wunderschöne Farben, zarte Muster oder auffällige, verspielte Designs.

Ein Nagajuban wird zwar unter dem Kimono getragen, ist aber nicht vollkommen unsichtbar. Am Kragen, an den Ärmeln, bei bestimmten Bewegungen oder manchmal auch am Saum kann ein kleiner Teil davon sichtbar werden.

Gerade deshalb bot der Nagajuban Raum für Farbe, Muster und persönlichen Geschmack. Besonders bei Männerkleidung, die außen oft eher ruhig, dunkel oder schlicht gehalten war, konnte ein auffällig gemusterter Nagajuban im Inneren ein sehr stilvolles Detail sein.

Warum also macht man etwas so schön, das kaum jemand sieht?

Vielleicht, weil Schönheit nicht immer nur für die Augen anderer gedacht ist. Vielleicht geht es auch darum, die Dinge, die man am Körper trägt, bis ins Innere hinein wertzuschätzen.

In der heutigen Mode liegt der Fokus oft auf dem, was sofort sichtbar ist. Das ist natürlich ebenfalls schön und spannend.

Aber die Schönheit im Inneren eines Haori oder Nagajuban hat für mich eine etwas andere Qualität.

Eine Schönheit, die nicht nur dafür da ist, gezeigt zu werden.
Eine Schönheit, die nur in bestimmten Momenten erscheint.
Eine Schönheit, die auch die tragende Person selbst genießen darf.

Wenn ich einen antiken oder Vintage-Haori in die Hand nehme, freue ich mich immer besonders darauf, das Innenfutter zu sehen. Der Kontrast zur Außenseite, die Kühnheit der Muster, die Farbkombinationen und das Design aus einer anderen Zeit — all das erzählt etwas über den Geschmack, den Humor und die Freude an Kleidung der Menschen, die diese Stücke früher getragen haben.

Das Futter eines Haori ist also nicht einfach nur „die Innenseite“.

Darin steckt eine besondere japanische Ästhetik: die Wertschätzung des Verborgenen, die Liebe zum Detail und ein kleiner Luxus, den vor allem die tragende Person selbst erlebt.

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