Warum sind Kimono für Frauen so lang?

  • Von MaedaYumiko
  • 2 min Lesezeit
Warum sind Kimono für Frauen so lang?

Oft höre ich von Kundinnen, die einen langen Kimono in die Hand nehmen:
„Ich bin klein – der passt bestimmt nicht zu mir.“

Dabei sind japanische Frauen im Vergleich zu europäischen Frauen keineswegs groß.
Besonders die Frauen, die Vintage- und Antik-Kimono früher tatsächlich trugen,
waren im Durchschnitt sogar kleiner als wir heute.

Warum also sind Kimono für Frauen so lang gefertigt?

Die Antwort ist ganz einfach:
um ein Ohashori zu bilden.

Kimono folgen einem völlig anderen Prinzip als westliche Kleidung.
Während westliche Kleidung dem Körper angepasst geschneidert wird,
wird ein Kimono durch Falten und Anpassen an den Körper getragen.
Durch die zusätzliche Länge kann ein Ohashori gelegt werden,
wodurch sich der Kimono an unterschiedliche Körpergrößen anpassen lässt.

Das Ohashori wurde erst in der Meiji-Zeit (1868–1912) allgemein üblich.
Davor, in der Edo-Zeit (1603–1868), trugen Frauen ihre Kimono – ebenso wie Männer –
in voller Länge (taidake), ohne sie zu kürzen.
Diese Veränderung hängt mit gesetzlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen jener Zeit zusammen,
auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

Zurück zum Wesentlichen.

Diese Art der Konstruktion macht es möglich,
dass ein Kimono von Menschen mit ganz unterschiedlichen Körperformen getragen werden kann.
Zudem kann ein einziges Kleidungsstück über Generationen hinweg weitergegeben werden.

Ein Kimono ist so gestaltet,
dass er Wachstum, Veränderung und verschiedene Lebensphasen begleitet.
In jungen Jahren, während einer Schwangerschaft
oder wenn sich der Körper mit der Zeit verändert –
statt ihn zu ersetzen, kann man ihn weiterhin tragen und mit ihm leben.

Einer der Gründe, warum ich mit Vintage- und Antik-Kimono arbeite, liegt genau darin.
Viele dieser Stücke sind bis heute in erstaunlich gutem Zustand erhalten
und erzählen von der Zeit und der Sorgfalt, mit der sie getragen wurden.

Die Länge eines Kimonos steht daher nicht für Unpraktikabilität,
sondern für die Möglichkeit des Anpassens, des Weitergebens
und des Zulassens von Veränderung.

Ein Kimono in voller Länge –
gemacht zum Anpassen, nicht zum Kürzen.

Heute gelten lange Kimono manchmal als schwer zu tragen.
Schritt für Schritt suchen wir nach neuen Wegen, sie lebendig zu halten.

Zurück nach oben