Was ist Boro – und warum ist es heute aktueller denn je?

  • Von MaedaYumiko
  • 2 min Lesezeit
Was ist Boro – und warum ist es heute aktueller denn je?

Boro ist weit mehr als nur alter Stoff. Jede Reparatur erzählt von den Menschen, die ihn nutzten, pflegten und über Generationen weitergaben. Eine Geschichte über Nachhaltigkeit, Handwerk und die Schönheit gelebter Zeit.

Boro – Die Schönheit eines gelebten Lebens

Vor Kurzem durften wir ein besonderes Stück Boro in unsere Kollektion aufnehmen.

Doch was ist eigentlich Boro?

Der Begriff „Boro“ (襤褸) stammt aus Japan und bedeutet ursprünglich „abgetragene“ oder „geflickte Stoffe“. Heute bezeichnet er Textilien, die über viele Generationen hinweg genutzt, repariert und immer wieder weiterverwendet wurden.

Boro entstand vor allem in den ländlichen Regionen Japans, insbesondere im Nordosten des Landes (Tōhoku).

In einer Zeit, in der Stoffe kostbar und nur schwer erhältlich waren, wurden Kimonos, Betttextilien, Furoshiki-Tücher und andere Stoffe nicht weggeworfen. Beschädigte Stellen wurden mit weiteren Stoffstücken ausgebessert und immer wieder von Hand repariert. Viele dieser Textilien wurden von den Eltern an ihre Kinder und später an die Enkel weitergegeben.

So entstanden über die Jahre einzigartige Textilien, auf denen sich zahlreiche Stofflagen und handgenähte Reparaturen überlagern. Jedes Stück erzählt seine eigene Geschichte und besitzt einen unverwechselbaren Charakter.

Früher wurde Boro oft als Symbol von Armut betrachtet. Heute jedoch werden diese Textilien als Zeugnisse eines Lebens geschätzt, in dem Ressourcen sorgsam genutzt wurden. Die Spuren der Reparaturen erzählen von Kreativität, handwerklichem Können und einem tiefen Respekt gegenüber den Dingen des täglichen Lebens.

Gerade deshalb werden Boro-Textilien heute von Sammlern, Textilliebhabern und Designinteressierten auf der ganzen Welt geschätzt.

Durch meine Arbeit mit Kimonos und Haori begegnete ich Boro immer wieder. Doch auch in Japan erfreuen sich diese Stücke großer Beliebtheit, weshalb es lange Zeit nicht einfach war, sie in meine eigene Kollektion aufzunehmen.

Deshalb kann ich nur gelegentlich Boro-Stücke anbieten. Wenn sich jedoch eine besondere Gelegenheit oder Begegnung ergibt, freue ich mich darauf, sie nach und nach mit Ihnen zu teilen.

Die aktuell verfügbaren Boro-Stücke finden Sie hier.

Heute sind Massenproduktion und Massenkonsum auf der ganzen Welt selbstverständlich geworden. Viele Dinge sind leicht verfügbar, und unser Alltag ist dadurch komfortabler denn je.

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir immer seltener Dinge reparieren, pflegen oder durch eigene Ideen weiterverwenden.

Wann immer ich nach Japan zurückkehre, wird mir bewusst, wie sehr unser modernes Leben von einer Fülle an Dingen geprägt ist. Bequemlichkeit ist zweifellos etwas Positives. Dennoch frage ich mich manchmal, ob wir dabei nicht auch ein Stück der Fähigkeit verlieren, Dinge mit den eigenen Händen zu erhalten und wertzuschätzen.

Gerade deshalb erscheint mir die Philosophie des Boro auch heute noch bedeutsam.

Nicht wegwerfen, sondern reparieren.

Nicht ersetzen, sondern weiter nutzen.

Darin steckt weit mehr als Sparsamkeit. Es geht um Dankbarkeit, Respekt und die Wertschätzung dessen, was uns begleitet.

Diese Haltung findet sich nicht nur in Japan, sondern in vielen Kulturen der Welt. Durch meine Arbeit mit Kimonos und historischen Textilien hatte ich jedoch das Privileg, dieser besonderen japanischen Sichtweise immer wieder zu begegnen.

Boro ist deshalb weit mehr als nur alter Stoff.

In ihm finden sich die Geschichten der Menschen, die ihn genutzt haben, die Zeit, die er überdauert hat, und die tiefe Wertschätzung für die Dinge des Lebens.

Auch mich selbst bringen diese alten Textilien immer wieder zum Nachdenken.

Ich würde mich freuen, wenn Menschen, die diese Geschichten und diese Wärme spüren können, ein Stück davon für sich entdecken.

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