Was ist ein Kamon? - Die japanischen Familienwappen auf Kimono und Haori -

  • Von MaedaYumiko
  • 3 min Lesezeit
Was ist ein Kamon? - Die japanischen Familienwappen auf Kimono und Haori -

Wissen Sie, was die kleinen Symbole auf Kimono oder Haori bedeuten?
Viele von ihnen erzählen eine fast 900 Jahre alte Geschichte.

In Japan besitzt im Prinzip jede Familie ein Kamon, das über Generationen weitergegeben wird.
Auch ich habe eines.


Es gibt etwa 5.000 grundlegende Kamon-Typen.
Zählt man Variationen wie unterschiedliche Linien, Anordnungen oder kleine Designänderungen hinzu,
geht man von 20.000 bis 30.000 verschiedenen Kamon aus.

Als ich zum ersten Mal ein Buch über Kamon in der Hand hielt, war ich überrascht, wie vielfältig diese Welt ist.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Kamon mit einem Rettich-Motiv – ungewöhnlich, mutig und erstaunlich modern.


Oft wird angenommen, dass Kamon direkt mit dem Nachnamen verbunden sind.
Tatsächlich ist das nicht der Fall.

Kamon existierten häufig schon lange, bevor Familiennamen offiziell festgelegt wurden.
Deshalb ist es ganz normal, dass Menschen mit demselben Nachnamen unterschiedliche Kamon haben.


Die Ursprünge der Kamon reichen bis in die späte Heian-Zeit (ca. 1100–1185) zurück.
Adelige und Hofaristokraten verwendeten sie, um ihre Besitztümer zu kennzeichnen –
etwa Kutschen, Möbel oder Alltagsgegenstände.

Viele frühe Kamon zeigen Pflanzenmotive wie Paulownie, Glyzinie oder Chrysantheme –
Motive, die man bis heute in Kimono-Textilien wiederfindet.


In der Kamakura-Zeit (1185–1333) wurden Kamon zu einem wichtigen Symbol der Samurai.
Auf Rüstungen und Bannern halfen sie, Freund und Feind auf dem Schlachtfeld zu unterscheiden.
In dieser Zeit verbreiteten sich Kamon stark.

Später, in der Muromachi-Zeit (1336–1573) und der Sengoku-Zeit (ca. 1467–1603),
entstanden durch Familienzweige und Gefolgsleute immer neue Abwandlungen bestehender Kamon.
So wuchs die Vielfalt stetig.


Mit dem Beginn der Edo-Zeit (1603–1868) verlagerte sich die Bedeutung der Kamon vom Krieg in den Alltag.
Sie erschienen auf Kleidung, Ladenvorhängen, Laternen und Tüchern –
als Zeichen von Identität und Stolz.

Familiennamen hingegen waren für die breite Bevölkerung lange nicht offiziell erlaubt.
Erst in der Meiji-Zeit (1868–1912) wurde es allen Menschen gestattet –
und schließlich vorgeschrieben –, einen Nachnamen zu führen.

Das erklärt, warum Kamon und Nachnamen zwar zusammengehören können,
aber nicht dasselbe sind.


In antiken Kimono sieht man besonders häufig Chrysanthemen- und Paulownien-Kamon.
Diese galten über Jahrhunderte als Symbole von Autorität, Würde und hoher Stellung.

Später wurden sie als edle Designs für formelle Kimono verwendet,
etwa bei Hochzeiten oder Zeremonien.

Da solche Kleidungsstücke selten getragen wurden,
blieben viele von ihnen in sehr gutem Zustand erhalten –
und sind heute als antike Kimono so präsent.


Auch die Anzahl der Kamon auf einem Kimono oder Haori spielt eine Rolle:
Ein Kamon gilt als schlicht,
drei als formell,
fünf als höchst feierlich.

Heute jedoch werden Kamon zunehmend als grafische, zeitlose Designelemente geschätzt –
unabhängig von Herkunft oder Tradition.

Übrigens:
Mein eigenes Kamon ist eine Umebachi, eine stilisierte Pflaumenblüte.

Wenn man diese Hintergründe kennt,
wird die Auswahl eines Kimono oder Haori zu etwas ganz Besonderem.

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