Was ist ein Haori? Die japanische Kimono-Jacke einfach erklärt
- Von MaedaYumiko
- 6 min Lesezeit
Ein Haori ist keine umgenähte Kimono-Robe, sondern eine traditionelle japanische Jacke, die über dem Kimono getragen wurde. In diesem Beitrag erkläre ich, was ein Haori ist, wie er getragen wird und wie man ihn heute modern kombinieren kann.
Was ist ein Haori? Eine japanische Jacke über dem Kimono
In diesem Beitrag möchte ich über den Haori schreiben.
Auf Märkten werde ich oft gefragt:
„Ist das ein langer Kimono, der gekürzt oder umgenäht wurde?“
Die Antwort ist: Nein. Ein Haori ist kein umgearbeiteter Kimono, sondern ein eigenes Kleidungsstück. Er wurde ursprünglich dafür gemacht, über einem Kimono getragen zu werden – wie eine japanische Jacke oder ein leichter Mantel.
Im Japanischen ist das Wort sehr anschaulich: haoru bedeutet „etwas überwerfen“ oder „sich etwas über die Schultern legen“. Daraus kommt das Wort Haori. Es ist also ein Kleidungsstück, das man über die Kleidung legt.
Als Kimono in Japan noch häufiger im Alltag getragen wurde, diente der Haori je nach Situation als Schutz vor Kälte, als Kleidung für draußen oder auch als Teil einer etwas formelleren Garderobe. Haori gibt es aus unterschiedlichen Materialien, zum Beispiel aus Seide, Rayon, Leinen oder Wolle. Bei neueren Stücken findet man, wie bei modernen Kimono, auch häufig Polyester.
Der Unterschied zwischen Kimono und Haori
Auf den ersten Blick ähnelt ein Haori einem Kimono. Die Form ist verwandt, aber die Art, ihn zu tragen, ist anders.
Ein Kimono wird vorne übereinandergeschlagen und geschlossen getragen. Dabei liegt die linke Seite über der rechten Seite.
Ein Haori dagegen wird vorne nicht übereinandergeschlagen. Er bleibt offen. Der Kragen fällt gerade von oben nach unten, und die Vorderseite bleibt grundsätzlich geöffnet.
Etwa auf Höhe der Brust befinden sich kleine Schlaufen. Diese Schlaufen heißen auf Japanisch „chi“ und dienen dazu, die Haori-Himozu befestigen – kleine Bänder oder Kordeln, mit denen der Haori vorne locker verbunden wird.
In einem früheren Beitrag habe ich bereits gezeigt, wie man ein Haori-Himo bindet. Wichtig ist: Das Haori-Himo ist nicht dafür gedacht, den Haori fest zu schließen. Es hält die beiden Vorderseiten nur locker in Form, sodass sie parallel zueinander fallen und der Haori weiterhin geöffnet bleibt.
Warum wird ein Haori vorne nicht ganz geschlossen?
Vielleicht fragt man sich:
Warum bleibt der Haori eigentlich offen?
Ich denke, genau darin liegt ein Teil der Schönheit japanischer Kleidung.
Unter dem Haori trägt man traditionell den Kimono, den Obi-Gürtel und weitere kleine Elemente wie den Obi-jime. Der Haori verdeckt diese Dinge nicht vollständig, sondern lässt sie sichtbar bleiben. So entsteht ein Zusammenspiel aus Farben, Mustern und Schichten.
In der japanischen Kleidung gibt es seit langer Zeit eine besondere Freude am Kombinieren von Schichten und Farben. Auch beim berühmten Jūnihitoe, der vielschichtigen Hofkleidung der Heian-Zeit, spielte die Wirkung der übereinanderliegenden Farben eine wichtige Rolle.
Der Haori ist also nicht einfach nur eine Jacke, die wärmen soll. Er ist Teil eines gesamten Outfits. Er ergänzt den Kimono, ohne ihn vollständig zu verdecken.
Es gibt auch japanische Oberbekleidung, die vorne geschlossen wird
Natürlich gibt es in der traditionellen japanischen Kleidung auch Jacken und Mäntel, die vorne stärker geschlossen werden.
Ein Beispiel ist der Michiyuki. Das ist ein japanischer Mantel für draußen. Er hat kein Haori-Himo, sondern wird vorne mit einem Verschluss, oft mit Haken oder Druckknöpfen, geschlossen. Trotzdem bleibt der Bereich am Kragen sichtbar, sodass der Kimono und die Kombination darunter weiterhin Teil des Gesamtbildes bleiben.
Ein anderes Kleidungsstück ist der Dōchūgi. Er wird ähnlich wie ein Kimono vorne übereinandergeschlagen und mit Bändern geschlossen. Er wirkt dadurch mehr wie ein Mantel und wurde vor allem für draußen getragen, zum Beispiel zum Schutz vor Kälte oder Staub.
Außerdem gibt es Regenmäntel für Kimono. Diese sind meist länger geschnitten und vorne stärker geschlossen, damit der Kimono möglichst gut vor Regen geschützt wird.
Man sieht also: In der japanischen Kleidung gibt es verschiedene Arten von Oberbekleidung, die jeweils eine eigene Form und Funktion haben. Der Haori ist darunter die offene Jacke, bei der die Schichten darunter sichtbar bleiben und Teil des gesamten Stils sind.
Verschiedene Arten von Haori
Auch Haori selbst gibt es in vielen Varianten.
Es gibt zum Beispiel den Kuro-Haori, einen schwarzen Haori, der besonders in der Shōwa-Zeit oft zu formelleren Anlässen getragen wurde. Es gibt Eba-Haori, bei denen das Muster über die Nähte hinweg wie ein zusammenhängendes Bild verläuft. Es gibt längere Haori, sogenannte Naga-Haori, Männer-Haori und auch kürzere, informellere Haori, die eher zu Hause oder in Gasthäusern getragen wurden.
Besonders bei Vintage- und Antik-Haori findet man oft wunderschöne Futterstoffe. Von außen sieht man diese Muster kaum, aber im Inneren können ganze Landschaften, Tiere, Pflanzen oder sehr feine grafische Muster verborgen sein. Diese Schönheit im Inneren ist für mich eine der besonderen Eigenschaften von Haori.
Auch bestimmte Techniken und Stoffarten machen Haori besonders. Wenn Sie sich zum Beispiel für die japanische Shibori-Färbetechnik interessieren, finden Sie hier meine ausgewählte Shibori Haori Kollektion.
Wie man Haori heute tragen kann
Heute muss ein Haori natürlich nicht nur über einem Kimono getragen werden.
Man kann ihn über einem Kleid tragen, über einem T-Shirt, einer Bluse oder zu einer schlichten Hose. So wird er zu einer leichten Jacke, die sich sehr gut in moderne Kleidung integrieren lässt.
Wenn Sie selbst einen Haori entdecken möchten, finden Sie hier meine ausgewählte Kollektion an Vintage Haori aus Japan.
Auch ein offen getragener Haori kann unterschiedlich gestylt werden. Ich mag es zum Beispiel sehr, wenn man einen Haori locker mit einem schmalen Ledergürtel schließt. Das ist keine traditionelle Art, ihn zu tragen, aber gerade dadurch bekommt er eine neue, moderne Wirkung.
Auch ein Michiyuki, also ein vorne geschlossener japanischer Mantel, kann spannend mit moderner Kleidung kombiniert werden. Wenn am Kragen eine Bluse, ein Rollkragenpullover oder ein Schmuckstück leicht sichtbar bleibt, entsteht ein besonderer Look, der sich von gewöhnlichen Jacken deutlich unterscheidet.
Ein Haori ist Teil der traditionellen japanischen Kleidung, aber gleichzeitig lässt er sich wunderbar in den heutigen Alltag und in moderne Mode übersetzen.
In jedem Haori liegen Material, Muster, Farbe, Zeit und die Spuren früherer Trägerinnen oder Träger übereinander.
Für mich ist ein Haori deshalb nicht einfach nur eine Jacke. Er ist ein Kleidungsstück, in dem viel von der japanischen Ästhetik des Anziehens sichtbar wird – und ich freue mich, wenn diese Stücke heute auf neue Weise getragen und geschätzt werden.